„Eine Bereicherung im Kommunikationsmix“

Seine Geburtsstunde erlebte der Podcast im Jahr 2004. Seither sind viele Formate entstanden, haben sich teilweise etabliert oder sind auch wieder verschwunden. Warum der Podcast für Unternehmen als weiterer Kommunikationskanal attraktiv sein kann, erklärt „Podpimp“ Alex Wunschel, Podcast-Pionier sowie Social-Media- und Marketingberater, im Interview.

Herr Wunschel, Podcasting gibt es seit dem Jahr 2004. Anfangs gab es einen richtigen Hype um diese Medienform, dann wurde es deutlich ruhiger. Jetzt bahnt sich eine Renaissance an – können Sie sich das erklären?

Ich glaube, wir Podcast-Pioniere haben in der Euphorie der Web-2.0-Ära zu lange mit Technik, Formaten, Frequenz und Inhalten experimentiert. Die Zeit war einfach noch nicht reif. Die Bewegtbildrevolution mit YouTube und die nachkommenden Social-Media-Netzwerke haben uns dann zu schnell den Wind aus den Segeln genommen, die Faszination für Neues verlagerte sich. Das alles mündet aktuell aber eher in einer Informationsüberflutung, einer Immanenz des Gleichen und unreflektierten Zustimmungsmetastasen. Jetzt punkten wieder gute Inhalte, die Produktions- und Verbreitungstechnik wurde einfacher und die Hörer interagieren inzwischen über Soziale Netzwerke mit dem Format und motivieren damit jeden Podcaster.

Warum sind Ihrer Meinung nach Podcasts so attraktiv für die Hörer beziehungsweise Zuschauer?

Die Stimme ist nicht nur ein authentischer, sondern fast schon ein „intimer“ Kommunikationskanal. Mit einem guten episodischen Sendekonzept entsteht eine außergewöhnliche und sehr interessante Hörerbindung, die scheinbar im Kontext der schnelllebigen Inhalte eine Art Rückzugsort bietet. Man bekommt schnell das Gefühl, direkt angesprochen zu werden und trotzdem Teil einer engen Community zu sein.

Wann und wie sollten Unternehmen Podcasts in ihren Kommunikationsmix integrieren?

Wichtigste Grundlage ist ein sauberes Kommunikationskonzept mit klarer Botschaft und zielgruppenfokussiertem Themenplan. Kann ein Unternehmen das leisten, dann ist ein Podcast durchaus eine Bereicherung im Kommunikationsmix. Ein generisches Unternehmensradio ist eher zum Scheitern verurteilt und führt wahrscheinlich zu übersichtlichen Abruf- und Abonnentenzahlen. Wenn die Entscheidung für einen Podcast gefallen ist, dann sollte dieser neben einer professionellen Produktion auch sauber in den Kommunikationsmix eingebunden werden. Leider findet man noch zu oft unmotivierte Umsetzungskonzepte.

Was sind typische Dos and Don’ts, wenn man Podcasts veröffentlichen will?

Besonderes Augenmerk sollte man auf die Ton- und Produktionsqualität legen, eine interessante Dramaturgie, die Einbindung der Hörer durch interaktive Elemente und eine aktive Bewerbung des eigenen Formats. Eher ungünstig sind zu lange Formate, ungeschnittene oder unmoderierte Audiobeiträge, eine schlechte technische Einbindung in die eigene Website. Fazit: Jeder Nutzer hat ein feines Gehör für fehlende Motivation und Empathie. Insofern ist beim Podcasten auch von Unternehmen Leidenschaft gefordert.